Albucasis

57AlbucasisAbu l-Qasim Chalaf, im Westen als Abulcasis bekannt, wurde 936 im spanischen El Zahra bei Córdoba geboren, wo er 1013 auch starb. Der andalusische Arzt schuf eine dreißigbändigen medizinische Enzyklopädie mit dem Titel Al-Tasrif, in der er alle wichtigen Themen der Medizin behandelte. Al-Tasrif wurde im 12. Jahrhundert von Gerhard von Cremona ins Lateinische übersetzt und konnte dadurch auf französische und italienischen Ärzte des 14. Jahrhundert einen sehr großen Einfluss ausüben. In seinen Schriften nahm er Methoden der Chirugie und Frauenheilkunde der Neuzeit längst vorweg – etwa die Kocher-Methode für die Behandlung einer ausgekugelten Schulter und die Walcher-Lage in der Geburtshilfe. Aus diesem Grund galt er über Jahrhunderte als der "Fürst der Chirurgie".

Avicenna

Abu Ali al-Husain ibn Abdullah ibn Sina wurde um 980 in Afshana bei Buchara geboren und verstarb im Juni 1037 in Hamadan. Der latinisierte Name des persischen Arztes und Philosophen lautet Avicenna. Im Alter von 17 Jahren wandte sich Avicenna der Medizin zu und studierte sowohl ihre Theorie als auch Praxis. Der Qanun at-Tibb oder Kanon der Medizin ist das berühmteste medizinische Werk Ibn Sinas: Es vereint griechische, römische und persische medizinische Traditionen und enthält einige Anregungen aus der indischen Medizin. Im 12. Jahrhundert wurde der Kanon von Gerhard von Cremona ins Lateinische übersetzt. Das Werk, von dem ab dem Jahre 1470 im gesamten Abendland unzählige lateinische Ausgaben und volkssprachliche Adaptionen im Druck existierten, galt bis ins 17. Jahrhundert als wichtiges Lehrbuch der Medizin.

Johannitius

58JohannitiusHunayn ibn Ishaq (808–873) war ein christlicher Arzt aus Bagdad, der im Westen unter dem Namen Johannitius bekannt wurde. Johannitius beherrschte Arabisch, Griechisch und Syrisch; zusammen mit seinem Sohn und einem Neffen stellt er daher in Bagdad ein multilinguales Team auf, das die klassischen Medizintexte kompetent in den Schlüssel-Sprachen lesen, übersetzen und interpretieren konnte – an erster Stelle Galen. Neben seinem eigentlichen Hauptwerk, der Isagoge Joannitii in tegni Galieni, verfasste er rund 100 weitere Schriften. Daneben fungierte er als Hofarzt des Kalifen al-Mutawakkil. Die Hauptkapitel der Isagoge und einige weitere Traktate fanden Eingang in die Studien-Reader des mittelalterlichen Medizinstudiums und bescherten Johannitus eine Wirkungsgeschichte über Jahrhunderte.

Konstantin der Afrikaner

Konstantin wurde 1017 im nordafrikanischen Karthago als Sohn einer Berberfamilie geboren. Er ging nach Bagdad um Medizin zu studieren. Nach der Rückkehr in seine Heimat hatte Konstantin großen Erfolg als Arzt und Lehrer. Von eifersüchtigen Kollegen drangsaliert ging er nach Süditalien und erreichte die Stadt Salerno. 1075 fungierte er als Lehrer der dortigen medizinischen Schule. 1078 wurde er Laienbruder im Benediktinerkloster Montecassino und übersetzte die Schriften von Hippokrates und Galenos sowie wichtige arabischen Quellen: Razes Ali, Ibn Imran, Ibn Suleiman und Ibn Al-Jazzar. Diese Übersetzungen wurden vom Mittelalter bis zum siebzehnten Jahrhundert als Lehrbücher verwendet und befinden sich noch heute in den europäischen Bibliotheken.

Ortolf von Baierland

Über die Lebensdaten Ortolfs ist nur bekannt, dass er lange vor dem Jahre 1339 in einem Domherrenhof neben dem Würzburger Dom wohnte und als Arzt tätig war. Das berühmte Arzneibuch des Ortolf von Baierland ist ungefähr um 1280 entstanden und zeichnet sich durch hohe Fachkompetenz auf dem neuesten Stand seiner Zeit aus. Das volkssprachige Lehrwerk kann als Pioniertat bezeichnet werden, da es bis dahin üblich war, medizinische Lehrbücher nur in lateinischer Sprache zu verfassen. Sein Autor war ein ausgezeichneter Kenner der Fachliteratur und gleichzeitig ein erfahrener Praktiker. Sein Werk vermittelt profundes Wissen über Diagnose, Prognose und Therapie für das gesamte Spektrum von Krankheiten, das die Wundärzte und Wundärztinnen des Mittelalters behandelten. Die Überlieferungsgeschichte des Arzneibuches erstreckt sich vom 14. bis zum 17. Jahrhundert – vor allem im bairisch-ostfränkischen Sprachraum.

Trota von Salerno

Trota war eine italienische Ärztin im späten 11. und frühen 12. Jahrhunderts, die als praktische Ärztin zugleich Mitglied der Fakultät von Salerno war. Sie schrieb mehrere Abhandlungen über die medizinische Praxis und arbeitete mit ihrem Mann und ihren Söhnen an der medizinischen Enzyklopädie Practica Brevis. Im Haupttext der Schule von Salerno De Aegritudinum Curatione aus dem 12. Jahrhundert sind auch Trotas Lehren erhalten. Das wichtigste Werk Trotas war Passionibus Mulierum Curandorum (auch als Trotula Major bekannt), eine Abhandlung über Gynäkologie und Frauenkrankheiten. Das Buch Ornatu Mulierum (Trotula Minor), eine Schrift über Hautkrankheiten und Kosmetika, wurde erst nachträglich in die Trotula Major eingefügt.

To be continued ...